"Industrial Intelligence“ – the next big step

Deutsche Messe AG

Menschen und Maschinen kooperieren immer enger miteinander. „Industrial Intelligence“ wird zum neuen Leitmotiv der Hannover Messe, auf der vom 1. bis 5. April rund 6500 Aussteller zeigen, welche Technologien und Skills im Maschinenbau unverzichtbar werden und wofür Löwenzahn gut ist

Von außen sehen die meisten Fabriken noch genauso aus wie vor Jahren, aber im Inneren findet vielerorts ein enormer Wandel statt. Menschen und Roboter arbeiten eng miteinander und lernen voneinander. Maschinen werden mit Maschinen vernetzt, tauschen Daten aus und übernehmen zunehmend selbstständig Aufgaben. Die Möglichkeiten von Künstlicher Intelligenz für die Produktion werden erforscht und getestet. Und die Erwartungen sind groß: Künstliche Intelligenz hat das Potenzial, die Industrie und Energiewirtschaft zu revolutionieren“, sagt Jochen Köckler, Vorstandschef der Deutschen Messe AG. Die Komponenten und Systeme des Maschinen- und Anlagenbaus sowie der Elektrotechnik verschmelzen immer stärker mit den digitalen Technologien von Software und IT-Unternehmen.

Als wichtigstes Schaufenster der Industrie will die Hannover Messe daher auch in Sachen „Industrial Intelligence“ den Maßstab setzen. „Unsere Aussteller zeigen mehr als 100 konkrete Anwendungsbeispiele für Machine Learning. Das gibt es weltweit kein zweites Mal“, erläutert Köckler. 220.000 Besucher werden in diesem Jahr auf der Messe erwartet, mehr als im Vorjahr. „Führende Köpfe der besten Firmen und Forschungsinstitutionen aus aller Welt stellen sich die Frage, wie die industrielle Zukunft aussehen wird. Die Hannover Messe führt sie zusammen“, ergänzt Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des VDMA. „Industrial Intelligence ist das große Thema unserer Zeit. Für die produzierenden Unternehmen lautet das Ziel, mit ihren Prozessen in neue Dimensionen vorzudringen, etwa die völlig flexible Fertigung mit Losgröße 1 bei gleichzeitig höchster Effizienz. Zugleich muss Industrial Intelligence den Firmen die Tür zu neuen Geschäftsmodellen, etwa der Plattformökonomie, aufmachen“, erläutert er. Den Maschinenbau sieht er dabei an der Spitze der Entwicklung: „Wir schlagen die Brücke von der virtuellen Welt hinein in die Welt der realen Produkte.“ 

"Unsere Aussteller zeigen mehr als 100 konkrete Anwendungsbeispiele für Machine Learning. Das gibt es weltweit kein zweites Mal."

Die industrienahen Digitalthemen profitieren auf der Messe zudem von der Integration der inzwischen eingestellten Computermesse Cebit. 40 ihrer Aussteller haben sich sofort nach deren Absage für die Hannover Messe angemeldet. Big Data, IT-Sicherheit und 5G-Mobilfunktechnik sind Kernthemen der erweiterten Industrieschau.

  • Gezeigt werden Roboter, die Aufgaben in der Fabrik eigenständig lösen und ihr Wissen an andere Maschinen weitergeben. Oder KI-Systeme, die bei Reparaturmaßnahmen detaillierte Instruktionen geben. So funktioniert Industrial Intelligence - das System verbessert sich ständig, weil es mit jeder neuen Fragestellung und jedem Feedback eigenständig dazulernt.
  • Der 5G-Mobilfunkstandard macht Zukunftstechnologien wie maschinelles Lernen in der Produktion oder autonomes Fahren erst anwendungsreif. Deshalb präsentiert die Hannover Messe gemeinsam mit dem Netzausrüster Nokia die "5G-Arena" als Anwendungstestfeld.
  • Unabdingbare Voraussetzung für autonomes Fahren wie für alle Digitalisierungsthemen ist die Datensicherheit. Entsprechend groß ist das Angebot des Forums „Industrial Security“ mit Themen wie Security by Design, Präventionsstrategien, Detektion und Reaktion, Zertifizierung, Cloud Computing, 5G- und Blockchain/Distributed-Ledger-Technologien.
  • Groß ist auch das Angebot im Bereich Electric Vehicle Infrastructure. Dort dreht es sich um Ladetechnologien, neue Abrechnungssysteme und alternative Mobilitäts- und Transportlösungen. 
  • Aber auch Pusteblumen haben ihren Platz auf dem Messegelände. Der Reifenhersteller Continental will auf der Messe die Erkenntnisse aus seinem „Taraxum Lab“ in Anklam präsentieren. Seit fünf Jahren forschen sie gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut für Molekularbiologie daran, wie sich Löwenzahnkautschuk umweltfreundlich und verlässlich industrialisieren lässt.

Mensch im Mittelpunkt 

Industrial Intelligence ist aber mehr als Künstliche Intelligenz. Es ist der Verbund von KI mit Automatisierungs- und Energietechnik, mit IT-Plattformen und Intralogistik. Doch Industrial Intelligence kann nur deshalb zum Treiber der digitalen Transformation werden, weil Menschen über die nötigen Qualifikationen verfügen, all das miteinander sinnvoll zu verbinden und weiterzuentwickeln. So steht Industrial Intelligence auf zwei Füßen: Technologie und Wissensmanagement. Beide können nicht ohne einander. Erst die Qualifikation und das Prozesswissen des Menschen ermöglichen die nötigen Datenanalysen und die Entwicklung von Algorithmen für künstliche Intelligenz.

Zwingend vorausgesetzt: Experten unterschiedlichster Fachrichtungen kollaborieren weitaus enger als bisher. Andreas Oroszi, Leiter Digital Business beim Steuerungs- und Automatisierungsspezialisten Festo aus Esslingen, beschreibt es so: „Gerade bei Industrial Intelligence ist die Mischung aus den programmierten Algorithmen eines Informatikers und dem spezifischen Fachwissen eines Ingenieurs ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Umsetzung KI-basierter Automatisierungs-Applikationen. Mit Sicherheit wird dem Thema Software, insbesondere wenn es um intelligente Produkte und Systeme geht, zukünftig eine wesentlich höhere Bedeutung eingeräumt“.

Solche neuen, interdisziplinären Teams stellen hohe Anforderungen an Führungskräfte, ebenso wie an die Skills und Tools ihrer Mitarbeiter. Wie kann das funktionieren? Das erörtern Experten im Forum „Industrie 4.0“ auf der Messe.

Und dann ist da noch die existenzielle Frage: Was kommt nach Industrie 4.0? Wie werden sich Digitalisierung, KI, Mensch-Maschine-Kollaboration und Plattformökonomie in den kommenden zehn Jahren weiterentwickeln? Darüber werden am Messedienstag auf dem ersten "Industrial Pioneers Summit" Innovationstreiber aus Industrie, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft diskutieren. In digitalen Zeiten sind zehn Jahre fast eine Ewigkeit. Bei der Vielzahl der Option dürften das kontroverse Runden werden.