Schweden: Geografisch am Rand, digital vorne

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Wie sehr Industrieunternehmen von einer nationalen Digitalisierungsstrategie profitieren, zeigt das Partnerland Schweden.

Wo gibt es pro Kopf der Einwohner nach dem Silicon Valley die meisten „Einhörner“? In Schweden. Startups mit einem Marktwert über eine Milliarde Dollar finden sich zuhauf im Partnerland der Hannover Messe 2019. 

Die Regierung und auch die Industrie Schwedens treiben die digitale Transformation bereits seit den 90er-Jahren konsequent voran. Und erfolgreich: Auf dem Digitalisierungsindex der Europäischen Union, dem Digital Economy and Society Index (DESI)2, liegt Schweden auf Platz drei hinter Dänemark und den Niederlanden. Der Grund ist die Strategie „ICT for Everyone – A Digital Agenda for Sweden“. Deren Ansatz war die Teilhabe aller Bürger: „The Digital Agenda has been shaped in an open process, partly through various different round-table discussions and other meetings. But good ideas and inputs have also been received, for example, by letter and e-mail and on web-based forums, Twitter and Facebook.“

ICT for Everyone – A Digital Agenda for Sweden

Schon in den 90er-Jahren formulierte eine IT-Kommission das erste Strategiepapier, zugleich trieb die Regierung den Ausbau schneller Glasfasernetze als Grundlage für eine “Information Society for all” energischer als andere Länder voran. So schrieb sie den Schulen digitale Bildung verbindlich in die Lehrpläne. 2016 beschloss die Regierung einen Handlungsplan für die vernetzte Produktion.

Für Per Thöresson, den schwedischen Botschafter in Deutschland, ist die Technik- und Exportorientierung seines Landes zwingend. Der heimische Markt mit nur 10,1 Millionen Einwohnern ist so klein, dass nicht nur Start-ups die Internationalisierung und die weltweite Konkurrenz im Businessplan schon mitdenken. 70 Prozent der schwedischen Exporte stammen von Industriedienstleistern und industrienahen Dienstleistern. Darunter finden sich weltbekannte Namen wie ABB, Terra Pak, SKF, Spotify, Klarna, iZettle und King. „Wir Schweden sind stolz auf unsere Offenheit, unseren Willen zusammenzuwirken und Wissen zu teilen“, sagt Thöresson, denn „nur so können wir langfristig innovativ bleiben“.

Die Skandinavier präsentieren in Hannover ihr „Sweden-Co-Lab“, eine digitale Fabrik mit dem Leitmotiv frühe Kooperationen mit den Kunden plus kontinuierlich steigende Forschungsintensität. Dort dürften auch Erfolge aus der 2017 gegründeten „deutsch-schwedischen Innovationspartnerschaft“ mit Fokus auf Mobilität, E-Health und Testumfelder zu sehen sein. 40 Start-ups aus dem Königreich sind ebenfalls vor Ort.