Ohne Energieeffizienz kein Klimaschutz

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Auf Basis des Pariser Klimaschutzabkommens von 2015 sind die Maßnahmen einzelner Staaten zum Klimaschutz vielfältig. Eine Grundvoraussetzung für das Gelingen der Energiewende und das Erreichen der Klimaziele ist allerdings das Thema Energieeffizienz - dies gilt sowohl national als auch international.

Auf Basis des Pariser Klimaschutzabkommens von 2015 werden die Klimaschutzbemühungen einzelner Staaten weltweit auf verschiedensten politischen Ebenen und mit unterschiedlicher Konsequenz diskutiert, beschlossen und in gesetzliche Rahmen gefügt. Die Szenarien und Maßnahmen sind vielfältig, doch eine Erkenntnis vereint sie alle: Energie ist vor allem dort günstig und sauber zugleich, wo sie gar nicht erst verbraucht wird. Und hier kommt das Thema Energieeffizienz ins Spiel: Energieeffizienz ist eine zwingende Voraussetzung für das Gelingen der Energiewende und das Erreichen von Klimazielen – national und international. Sowohl in der Strom- und Wärmeerzeugung als auch in den Verbrauchssektoren Industrie, Verkehr und Gebäude bestehen erhebliche Potenziale zur Energieeinsparung. Für die zunehmende Elektrifizierung und Sektorkopplung sind Investitionen in Effizienztechnologien essenziell. 

Energieeffizienz als europäisches Ziel – alle Mitgliedsstaaten sind gefordert

Energieeffizienz ist ein zentrales Ziel der Europäischen Union (EU). Die EU-Energieeffizienz-Richtlinie (EED) ist dabei ein wichtiges Steuerungsinstrument, das 2012 erstmals in Kraft getreten ist. Im Sommer 2018 erfolgte die Novellierung der Richtlinie für den Zeitraum 2021 – 2030. Der Kompromiss für die Neufassung sieht vor, dass die EU ihre Energieeffizienz bis zum Jahr 2030 um 32,5 Prozent im Vergleich zu 2007 steigert. Die Mitgliedsstaaten sollen das Ziel durch freiwillige Beiträge gemeinsam erreichen und damit einen wesentlichen Beitrag auf dem Weg hin zur Erreichung der Pariser Klimaschutzziele leisten.

Um mögliche Lücken bei der Zielerreichung zu schließen, wurde mit der Governance-Verordnung ein robuster und transparenter Rahmen für alle Mitgliedsstaaten erstellt. Die Verordnung sieht vor, dass die Staaten der EU nationale Energie- und Klimapläne (NECP) aufstellen, in denen sie nationale Ziele und Vorgaben formulieren, sowie Maßnahmen zu deren Erreichung darlegen sollen. Ein robustes Governance-System in der Energie- und Klimapolitik stellt sicher, dass alle Mitgliedsstaaten an einem Strang ziehen.

Ab dem Jahr 2023 sollen die Mitgliedstaaten im zwei-Jahres-Rhythmus Fortschrittsberichte zum Stand der Umsetzung der Pläne vorlegen, ab 2024 könnten die Pläne nochmals aktualisiert werden. Die NECPs und Fortschrittsberichte werden von der EU-Kommission bewertet. Reichen die nationalen Beiträge für die 2030-EU-Ziele nicht aus, spricht die Kommission Empfehlungen an einzelne Mitgliedsstaaten aus.

Energieeffizienz in Deutschland 
Nationaler Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) und Energieeffizienz-Netzwerke

Mit dem Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) hat die Bundesregierung in der letzten Legislaturperiode ein umfassendes Maßnahmenpaket auf den Weg gebracht, um die Potentiale für Energieeffizienz in Deutschland möglichst umfangreich und sektorübergreifend auszuschöpfen. Erklärtes Ziel der Bundesregierung: bis zum Jahr 2050 soll in Deutschland 50 Prozent weniger Primärenergie verbraucht werden als 2008. Die wichtigsten Handlungsfelder der Energieeffizienzpolitik sind: Voranbringen der Energieeffizienz im Gebäudebereich sowie in Industrie, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen, Etablieren der Energieeffizienz als Rendite- und Geschäftsmodell sowie Erhöhung der Eigenverantwortlichkeit für Energieeffizienz. Die Maßnahmen des NAPE werden aktuell überarbeitet und in einen NAPE 2.0 überführt, um einer möglichen Lücke zur Erreichung der Effizienzziele mit einem effektiven Maßnahmenset zu begegnen.

Eine weitere zentrale Maßnahme des NAPE ist die Schaffung von Energieeffizienz-Netzwerken gemeinsam mit Industrie und Gewerbe. Im Dezember 2014 unterzeichneten Vertreter der Bundesregierung und der führenden deutschen Wirtschaftsverbände und -organisationen eine Vereinbarung über die Einführung von Energieeffizienz-Netzwerken. Ziel der Vereinbarung war die Initiierung und Durchführung von rund 500 neuen Energieeffizienz-Netzwerken von Unternehmen bis Ende 2020. Aktuell sind 220 Netzwerke bei der Initiative angemeldet.

Die Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau gehören zwar nicht in die Kategorie der energieintensiven Industrien, wie beispielsweise Baustoffe, Chemie, Glas, Nichteisen-Metalle, Papier und Stahl, jedoch spielen sie als „technologischer Enabler“ von Energieeffizienz eine zentrale Rolle. Als Hersteller von Querschnittstechnologien wie Pumpen, Ventilatoren, Motoren und Antrieben hat der Maschinenbau eine entscheidende Aufgabe bei der Steigerung von Effizienzpotentialen. Aus diesem Grund engagiert sich der VDMA als Netzwerkträger im Rahmen der Initiative Energieeffizienz-Netzwerke.

Energieeffizienz auf der Hannover Messe 2019

In einem zunehmend dezentralen Energiemarkt werden innovative Technologien gebraucht, die das Stromsystem flexibler machen, Sektoren intelligent koppeln und neue Marktteilnehmer einbinden. Auf der Integrated Energy, der internationalen Leitmesse für integrierte Energiesysteme für Industrie, Wärme und Mobilität, wird im Rahmen der Hannover Messe vom 1. – 5. April  gezeigt, wie Industrieunternehmen mit effizienterer Energienutzung enorme Kosten sparen und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern können. Hierbei spielt auch die Digitalisierung im Maschinen- und Anlagenbau eine wichtige Rolle. 

Effizienztechnologien stehen auf der Hannover Messe am 2. April im Mittelpunkt des Forum Integrated Energy (Halle 27, Stand L55). Der Messebesucher kann sich einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Potentiale von Effizienztechnologien und deren regulatorische Hürden verschaffen.  

Wer Produktionsabläufe energieeffizient und nachhaltig gestalten möchte, kommt an den Querschnittstechnologien nicht vorbei. Auf der internationalen Leitmesse der Druck- und Vakuumtechnik, ComVac, werden die neuesten technischen Innovationen im Bereich der Druckluft- und Vakuumtechnik vorgestellt.

Energieeffizienz-Netzwerke im VDMA
Unternehmen nehmen Energieeffizienz selbst in die Hand

Der VDMA hat seit 2015 ein konzerninternes Netzwerk für die verschiedenen Standorte eines Konzerns und acht regionale Energieeffizienz-Netzwerke gegründet, in denen rund 65 Unternehmen erfolgreich zusammenarbeiten. Das zehnte VDMA Netzwerk startet im März 2019, da das Netzwerk Ostwestfalen Lippe in die zweite Runde geht. Neben der Neuauflage bestehender Netzwerke ist auch die Neugründung weiterer Effizienz-Netzwerke geplant – das nächste im Raum Oberbergisch Südwestfalen in Nordrhein-Westfalen. 

Das Netzwerk Nordbayern beendete im März 2018 seine zweijährige Laufzeit – hier eine Zusammenfassung der Ergebnisse: im Netzwerk sind zehn produzierende Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau organisiert. Die Unternehmen haben gemeinsame Ziele und Maßnahmen vereinbart, die der VDMA als Netzwerkträger nun positiv resümiert.

In den Netzwerktreffen haben die Unternehmen das Thema Energieeffizienz selbst in die Hand genommen - das definierte Ziel des Netzwerks Nordbayern lautete 6.700 MWh weniger Energie und 2.500 Tonnen weniger CO2-Emissionen bis Laufzeitende. Insgesamt wurden 37 Maßnahmen mit einer gesamten Endenergieeinsparung von jährlich 9.620 MWh durchgeführt. Daraus resultieren 3.720 Tonnen CO2-Einsparung. Das gesetzte Ziel wurde damit um mehr als 40 Prozent übertroffen!

Asja Thielking, Referentin Energieeffizienz-Netzwerke im VDMA

Im Netzwerk Nordbayern entfielen mehr als die Hälfte der gezählten Energieeffizienzmaßnahmen auf Beleuchtung, Heizung und Warmwasser. Auch bei den weiteren Maßnahmen dominierten Querschnittstechnologien, wie z.B. elektrische Antriebe, Pumpen oder Druckluft. Rund 90 Prozent der eingesparten Energie entfielen auf diese Kategorie. Außerdem wurden Maßnahmen angeschoben, die energetisch nur schwer zu bewerten sind, wie beispielsweise die Mitarbeitersensibilisierung und die Installation von Messtechniksystemen zur Energiedatenanalyse, die aber dennoch große Einsparpotentiale haben. 

Die Energieeffizienz bei Produktionsprozessen steht in der neuen Netzwerklaufzeit seit Juni 2018 auf der Tagesordnung des Netzwerks Nordbayern. Der Zusammenhang mit den Produktionsabläufen erhöht die Komplexität und stellt für die Unternehmen eine große Herausforderung dar. 

Unter dem Strich – Erfahrungen und Ergebnisse der Initiative Energieeffizienz-Netzwerke

Die Bundesregierung geht auf Basis bisheriger Erfahrungen mit bestehenden oder bereits abgeschlossenen Energieeffizienz-Netzwerken in Deutschland davon aus, dass die geplanten Maßnahmen zu Einsparungen von bis zu 75 Petrajoule (PJ) Primärenergie bzw. 5 Millionen Tonnen CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 führen können. Die Netzwerkinitiative der Bundesregierung leistet hiermit einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der klima- und energiepolitischen Ziele der Bundesrepublik Deutschland. Außerdem verfolgt sie die Steigerung der Energieeffizienz zur Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft sowie zur Erschließung neuer Geschäftsmodelle.

Eine aktuelle Umfrage unter Netzwerkträgern und -moderatoren der Initiative hat gezeigt, dass energieeffiziente Wärmetechnologien für Unternehmen eine wichtige Rolle spielen – 92 Prozent der Netzwerke optimieren die Wärmeerzeugung in den beteiligten Unternehmen, 89 Prozent setzen Maßnahmen im Bereich Abwärme um. Weitere Optimierungsmaßnahmen finden im Bereich Pumpen (88 Prozent) und Beleuchtung (88 Prozent) statt. Weniger Investitionen finden bei Motoren und Antrieben (81 Prozent, 2017: 92 Prozent) sowie Lüftungstechnologien (66 Prozent, 2017: 81 Prozent) statt. Neue Themen der Netzwerke sind verstärkt erneuerbare Energien (74 Prozent), Mobilität (52 Prozent) und ‎Digitalisierung (43 Prozent). 

Die Jahresveranstaltung der Initiative Energieeffizienz Netzwerke findet am 3. April 2019 auf der Hannover Messe statt. Partner der Initiative, Netzwerkteilnehmer und Interessierte tauschen sich zu aktuellen Themen rund um Energieeffizienz-Netzwerke aus und diskutieren diese mit Stakeholdern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Interessensvertretungen. Unter anderem sind technologiespezifische Rundgänge, eine Messekarte mit ausstellenden Netzwerkmitgliedern und eine Verleihung für die innovativsten Netzwerke geplant.

3. Jahresveranstaltung der Initiative Energieeffizienz-Netzwerke
am Mittwoch, 3. April 2019 von 10:30 bis 17:30 Uhr
im Rahmen der HANNOVER MESSE, Convention Center, Saal 1b,
30521 Hannover