„Nicht nur über Europas Werte, sondern auch über Interessen reden“

Deutsche Messe

Auf dem Europapolitischen Empfang auf der Hannover Messe warb der ehemalige Außenminister Sigmar Gabriel für mehr Anstrengungen in Europa - und rief dazu auf, bei der Europawahl pro-europäische Kräfte zu stärken.

Die Zukunft Europas hängt für Sigmar Gabriel eng mit einer Frage zusammen: Wie können wir morgen erfolgreich sein? „Wir haben uns an eine relative Stille gewöhnt“, stellte der ehemalige Außen- und Wirtschaftsminister auf dem Europapolitischen Empfang des VDMA und der Deutschen Messe auf der Hannover Messe fest. „Vielleicht ist es aber nur die Windstille im Auge des Sturms.“ Ob in der Handelspolitik, im Binnenmarkt oder in der Entwicklung neuer Technologien – über das Potenzial der EU gibt es für Gabriel keinen Zweifel. Man müsse es nur nutzen. „Europa muss mehr tun“, so die klare Botschaft Gabriels.

Als Beispiel nannte der SPD-Politiker vor rund 100 Gästen im Haus der Nationen die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz. China investiert in diesem Bereich 150 Milliarden Euro, Deutschland dagegen gerade einmal 3 Milliarden Euro. „Eine homöopathische Dosis“, urteilte Gabriel. Auch im Bereich der Infrastruktur müssten Deutschland und Europa dringend aufwachen, um im globalen Vergleich nicht ins Hintertreffen zu geraten. „Sie können keinem Chinesen erklären, warum es in Deutschland viele Jahre dauert, in Leverkusen eine Brücke oder in Berlin einen Flughafen zu bauen“, sagte Gabriel.

"Sie können keinem Chinesen erklären, warum wir viele Jahre brauchen, um in Berlin einen Flughafen zu bauen"

Mit Blick auf die Europawahl warb Gabriel vehement dafür, wählen zu gehen und sein Kreuz bei pro-Europäischen Parteien zu machen. Das wirksamste Mittel gegen die wachsende EU-Skepsis wäre aus seiner Sicht, wenn Deutschland und die EU mutig für die Zukunftsfähigkeit Europas eintreten. „Unterschätzen Sie den Wähler nicht“, sagte Gabriel. Die Menschen würden verstehen, was die EU für Vorteile bringt – und dass Zusammenarbeit in Europa auch mal Geld kosten würde. Allerdings müsse man den Europäern diesen Mehrwert auch nahebringen. „Wir haben in Europa jahrelang unsere Werte betont“, sagte Gabriel. „Es wird Zeit, dass wir auch offen über unsere Interessen reden.“