Potenziale auf beiden Seiten nutzen

VDMA NRW

Das Deutsch-türkische Get Together auf dem nordrhein-westfälischen Gemeinschaftsstand der Hannover Messe 2019 stand ganz unter dem Thema „Der türkische Maschinenbausektor – Potenziale und Chancen für deutsch-türkische Kooperationen“.

Die Märkte stehen allgemein vor immer größeren Aufgaben. Internationalisierung sowie die Entwicklungen im Zuge von Industrie 4.0 und intelligenter Fertigung stellen alle Wirtschaftsakteure vor immer größere Herausforderungen. Der Austausch von Informationen über Entwicklungen, Chancen sowie Herausforderungen länderübergreifend kann hier ein Erfolgsbaustein für die Zukunft sein.

Die Türkei ist für den deutschen Maschinenbau ein interessanter Markt, in den nahezu die gesamte Bandbreite an Technologien geliefert wird. Zudem hat die Türkei eine wichtige Drehscheibenfunktion in die Nachbarregionen. Die Türkei bildet aber auch mit ihrem Angebot im gesamten Bereich des Maschinenbaus einen interessanten Beschaffungsmarkt für deutsche Unternehmen und somit insgesamt eine gute Basis für kooperative Zusammenarbeit. Hierüber zu informieren, zu sensibilisieren und aktiv Kooperationen zu fördern und zu unterstützen bildet seit vielen Jahren die Grundlage der Arbeit der Exportunion Turkish Machinery. Im Zuge der technologischen Entwicklungen und Herausforderungen sieht die Organisation die wachsende Bedeutung kooperativer Zusammenarbeit und wird sich hier in Zukunft mit ihren Aktivitäten insbesondere auf die Förderung von Technologie- und Knowhowtransfer konzentrieren.

Das vom VDMA NRW durchgeführte Kompetenznetz ProduktionNRW und Turkish Machinery brachten auf dem NRW-Gemeinschaftsstand der Hannover Messe beide Ländern zu einem Get Together zusammen.

Nach einem Überblick über den Maschinen- und Anlagenbau in NRW von Nirugaa Natkunarajah, Referentin bei ProduktionNRW, zeigte Sevda Kayahan Yilmaz, Vizepräsidentin von Turkish Machinery, anhand aktueller Zahlen die Entwicklungen des türkischen Maschinenbausektors und erläuterte insbesondere Potenziale und Chancen für deutsch-türkische Kooperationen.

Die Darstellung der harten Fakten und Zahlen, konnte sodann mit Beispielen aus der Praxis belegt werden. So beschrieb Kenan Aktas, Area Sales Manager von Beckhoff Automation GmbH & Co KG, die bisherige, erfolgreiche Zusammenarbeit mit türkischen Unternehmen nicht allein aus dem reinen Kunden-Lieferanten-Verhältnis sondern als langfristig partnerschaftliche Beziehung und erläuterte Anforderungen für einen erfolgreichen Markteintritt deutscher Unternehmen in der Türkei.

Bekir Koca, Director R&D von Ermaksan, stellte die Produkte seines Unternehmens dar und unterstrich damit, dass türkische Unternehmen erfolgreich Produkte auch im Bereich der Hochtechnologie entwickeln und anbieten können. Ermaksan unterhält seit letztem Jahr eine Vertriebsniederlassung und ein Lager in NRW.

Insgesamt konnte – auch im Rahmen des anschließenden Networkings – ein Interesse für den gegenseitigen Austausch als Basis für eine Weiterentwicklung der Zusammenarbeit deutscher und türkischer Unternehmen geweckt werden.

Faktencheck Türkei

Die Türkei verfügt über eine breite Industriebasis. Wichtige Exportbranchen neben dem Textilgewerbe sind die Fahrzeug- und Fahrzeugteileindustrie sowie die Nahrungsmittelbranche. Mit einem Marktvolumen von rund 29 Milliarden Euro ist die Türkei der zwölftgrößte Maschinenmarkt weltweit und hat ca. 212.000 Beschäftigte. Nur etwas mehr als ein Drittel der verkauften Maschinen stammt aus inländischer Produktion. Dies bedeutet, dass der überwiegende Teil der Maschinen im Ausland gekauft werden muss.

Deutschland ist mit einem Marktanteil von 17,5 Prozent (3,7 Milliarden Euro) der wichtigste ausländische Maschinenanbieter in der Türkei. Die Türkei ist für den deutschen Maschinenbau ein interessanter Markt, in den nahezu die gesamte Bandbreite an Technologien geliefert wird. Zudem hat die Türkei eine wichtige Drehscheibenfunktion in die Nachbarregionen.

Das Exportvolumen von Maschinen aus NRW betrug 2017 973 Millionen Euro, das sind knapp 3,5 Prozent der gesamten Maschinenexporte. Die Türkei belegt damit Rang elf der Maschinenausfuhren aus NRW. Die Importe aus der Türkei nach NRW betrugen 240 Millionen Euro.

Die Maschinenbauindustrie – wachsender Sektor der türkischen Wirtschaft

Die Produktion in der türkischen Maschinenbauindustrie hat sich in den letzten 10 Jahren mehr als verdoppelt. Die türkische Maschinenbauindustrie erhöhte ihren Anteil an der türkischen Gesamtwirtschaft sowie am Export. Der Anteil des Maschinenbausektors am Gesamtexport der Türkei beträgt 9,3 Prozent und ist damit der zweitstärkste Bereich. Die Türkei exportiert in mehr als 200 Länder.

Mit einer durchschnittlichen, jährlichen Wachstumsrate von 15 Prozent in den letzten fünf Jahren, liegt die türkische Maschinenbauindustrie zwischenzeitlich weltweit an dritter Stelle der Exportwachstumsraten. In den letzten 12 Jahren wuchs der Export im Maschinenbausektor um das Siebenfache. Zirka  60 Prozent des türkischen Exports geht nach Europa und in die USA.

Der Maschinenbau-Verband MAIB beziffert den gesamten Maschinenexport der Türkei mit 17,1 US Dollar im Jahr 2018. Die Maschinenexporte nach Deutschland betrugen 2,4 US Dollar für das Jahr 2018. Deutschland ist mit 14 Prozent dabei der größte einzelne Abnehmermarkt für Maschinen und Zubehör, gefolgt von den USA (7 Prozent) und England (6 Prozent).

Um sich für die Zukunft aufzustellen, verfolgt die Türkei eine Digitalisierungsstrategie und errichtet eine passende digitale Infrastruktur sowie digitale Zentren, die sich speziell auf dieses Thema konzentrieren.